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Presse
01.07.2010, 08:56 Uhr | Märkische Allgemeine Zeitung / Reyk Grunow und Sebastian Meyer Übersicht | Drucken
Kritik aus Oberhavel - SPD gegen Prignitz Express 01.07.2010
Landrat Schröter lehnt Neuruppins Appell zum Prignitz-Express ab


Auf Antrag der CDU in OPR und der Prignitz haben die Kreistage eine Resolution für den Prignitz Express beschlossen. Gegenwind kommt nun von der SPD und deren Landrat aus Oberhavel.


NEURUPPIN - Die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und die Stadt Neuruppin bringen mit einem gemeinsamen Appell zum Prignitz-Express den Landrat des Kreises Oberhavel auf die Palme.

Am Montag hatten die Neuruppiner Stadtverordneten einen Brief an die Landesregierung verabschiedet, in dem sie fordern, das Land müsse weiterhin zu den bisherigen Plänen für den Prignitz-Express stehen. „Seit vielen Jahren bemüht sich die gesamte Region . . . um eine direkte und zügige Anbindung des RE 6 nach Berlin“, heißt es in dem Appell, den die Neuruppin ans Land senden. Die Fontanestadt fordert eine „direkte Anbindung nach Berlin an einen Fernverkehrsknoten, möglichst schnelle und übergangsfreundliche Anbindung an den Flughafen BBI“ und mehr Züge auf der Strecke des RE 6 in Spitzenzeiten.

Zugleich sprechen sich die Neuruppiner entschieden gegen die Forderung nach einem S-Bahn-Anschluss für Velten aus, der vermutlich das Aus für die Pläne des Prignitz-Expresses wäre. Verkehrsministers Vogelsänger hatte erklärt, dass kaum beide Projekte vom Land finanziert werden könnten. Der S-Bahn-Anschluss würde allenfalls „einen vermeintlichen Imagegewinn“ für Velten bringen, seie aber eine Gefahr für „das Gesamtsystem der Bahnstrukturen“.

Ähnliche Appelle haben die Kreistage in Perleberg und in Neuruppin in den vergangenen Wochen verfasst. Sie reagieren damit auf die massiven Forderungen aus Oberhavel nach einer Verlängerung der S-Bahn von Hennigsdorf nach Velten (die MAZ berichtete).

Oberhavels Landrat Karl-Heinz Schröter ist von den Resolutionen aus dem Norden überhaupt nicht begeistert. In Neuruppin sei man „wohl vom Stamme Nimm“, schimpfte er gestern. Oberhavel hatte dem Land angeboten, den Bau der S-Bahn-Strecke vorzufinanzieren; 14 Millionen Euro waren im Gespräch. Im Norden würde man dagegen immer nur Forderungen stellen, empörte sich Schröter: „In Neuruppin hat man sich daran gewöhnt, den Haushalt zu ruinieren und darauf zu hoffen, dass jemand kommt, der die Sache wieder repariert.“ Aber auch das Land ging Schröter gestern hart an. Dort wolle man die Regionen gegeneinander ausspielen. Dies führe zu einer „Entsolidarisierung der Kommunen“.

Das Argument von Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD), die finanzkräftigen Regionen dürften nicht mit Infrastrukturmaßnahmen bevorteilt werden, hält Schröter für falsch. Bei Fördermitteln gebe es schließlich einen Eigenanteil. Könne man den nicht zahlen, gebe es eben kein Geld.

Erhard Schröter vom Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen hält beide Projekte für wichtig. Ziel müsse es sein, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen – und sowohl die S-Bahn für Velten als auch den Prignitz-Express durchzusetzen. (Von Reyk Grunow und Sebastian Meyer)



aktualisiert von Sebastian Steineke, 01.07.2010, 09:03 Uhr

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