Damit liegen die Kreisliberalen im Bundestrend. Das unscharfe Profil seit dem Regierungsantritt 2009 und das Führungschaos in der Parteispitze haben Tausende Mitglieder gekostet. Auch die FDP in Ostprignitz-Ruppin schrumpft. „Einige sind aus bundespolitischen Gründen ausgetreten“, sagt FDP-Kreisvorsitzender Bert Groche. Bundesweit sank die Mitgliederzahl der FDP laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ innerhalb des vergangenen Jahres um 5400 auf 63 123. Das entspricht einem Minus von knapp acht Prozent.
Obwohl die Verluste im Kreis mit elf Prozent noch dramatischer sind, sieht Groche dies nicht als ein besonderes Problem der FDP. „Kommunales Engagement für eine etablierte politische Partei ist schwer zu vermitteln“, sagt Groche. „Es ist schwierig, Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern.“ Politisch interessiert seien dennoch viele Leute, wie Bürgerinitiativen und freie Wählergemeinschaften im Kreistag beweisen.
Die Mitgliederentwicklung der übrigen Kreisparteien bestätigt Groches Analyse. Bei der Linken sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 15 auf 239 Mitglieder. Das bedeutet ein Minus von 5,9 Prozent. „Der Rückgang ist aber auch einer statistischen Bereinigung geschuldet“, sagt Hartmut Buschke, der für die Linke im Kreistag sitzt. So wurden etwa Karteileichen entfernt. Die CDU bleibt trotz eines Verlusts von 4,4 Prozent mit 260 Mitgliedern (Vorjahr: 272) die größte Partei im Kreis. Die SPD verlor mit 4,5 Prozent ebenfalls moderat und kommt nun auf 232 Mitglieder statt zuvor 243. Auch auf Bundesebene geht es für beide Volksparteien abwärts. Die Mitgliederzahlen sanken jeweils unter die Halbmillionengrenze.
„In den neuen Bundesländern sind die Ressentiments gegenüber den Parteien sehr groß“, sagt Wolfgang Freese, Kreistagsabgeordneter der Grünen. Mit aktuell 34 Mitgliedern konnte die Partei – wenn auch auf niedrigem Niveau – leicht zulegen. Freese spricht von drei bis vier Neumitgliedern. Eine vergleichsweise kleine Basis gemessen an den bundesweiten Mitgliedszahlen der Grünen: Diese liegen nun annähernd auf FDP-Niveau und stiegen um etwa 6000 auf 59 019 – ein Plus von fast elf Prozent. (Von Bastian Pauly)
DIE MITGLIEDSZAHLEN DER KREISPARTEIEN ANFANG 2012 IM VERGLEICH ZUM VORJAHR- Die Volksparteien verlieren moderat. Die CDU hat nun 260 (- 4,4 Prozent), die SPD 232 Mitglieder (- 4,5 Prozent).
- Die FDP hat mit jetzt 65 Mitgliedern die größten Verluste (- 11 Prozent). Die Linke liegt bei 239 Mitgliedern (- 5,9 Prozent).
- Die Grünen (34 Mitglieder) profitieren ebenso wie die Piraten, die in Neuruppin einen Regionalverband gründeten.




