NEURUPPIN - Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 228 Stimmen hat gestern Ralf Reinhardt (parteilos, für die SPD) die Stichwahl um den Landratsposten gewonnen. Reinhardt kam nach dem vorläufigen Wahlergebnis auf 11 580 Stimmen und verwies damit Vize-Landrat Egmont Hamelow (CDU) auf Rang zwei (11 352 Stimmen).
Doch genützt hat das kleine Plus an Wählergunst dem Gewinner wenig: Reinhardt (33) gelang es nicht, die vom Gesetz vorgeschriebene Mindeststimmenzahl auf sich zu vereinen. 13 385 Stimmen wären dafür nötig gewesen; zum Landrat fehlten dem Wusterhausener 1805.
Die erste direkte Wahl des Landrats im Landkreis ist damit gescheitert. Die Wahlbeteiligung lag mit nur 26 Prozent noch niedriger als beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen (30,6 Prozent). Nun muss der Kreistag über die Besetzung des höchsten Verwaltungspostens im Kreis entscheiden. Bis dahin übernimmt nach dem Ausscheiden von Landrat Christian Gilde (SPD), der in den Ruhestand gegangen ist, Vize-Landrat Hamelow das Zepter.
Der 46-Jährige ließ sich gestern seine Enttäuschung nicht anmerken. „Die Karten werden neu gemischt“, sagte Hamelow. Er bezweifelte zudem, dass das Wahlgesetz optimal ist. „Die Wähler haben zweimal abgestimmt, und jetzt entscheidet doch wieder der Kreistag.“ Grund: Weder im ersten noch im zweiten Wahlgang konnte der Gewinner die Stimmen von 15 Prozent aller Wahlberechtigten auf sich vereinen.
Ralf Reinhardt und die SPD-Genossen jubelten gestern dennoch im Neuruppiner Tempelgarten. „Das ist ein grandioses Ergebnis“, freute sich Reinhardt. Hatten doch viele gedacht, dass er mit 33 Jahren zu jung und zu unbekannt sei, um den Vize-Landrat in der Wählergunst zu schlagen. Doch Reinhardt holte nicht allein in Neustadt und Wusterhausen mehr Stimmen als Hamelow, sondern auch in Neuruppin. In der Fontanestadt kam er auf 62,3 Prozent, Hamelow auf 37,7 Prozent. „Wir sind außerordentlich zufrieden“, betonte denn auch SPD-Kreischef Manfred Richter. Die geringe Wahlbeteiligung, die in Neuruppin nur bei 19 Prozent lag, bezeichnete Richter jedoch als „deprimierend“.
CDU-Kreischef Jan Redmann kündigte an, dass die Christdemokraten nun Gespräche mit den Kreistagsfraktionen führen werden. Ziel sei die Wahl von Hamelow zum Landrat. „Er ist ein sehr geeigneter Kandidat“, so Redmann.
Indes will die SPD ihren parteilosen Kandidaten Reinhardt ins Rennen schicken. Für die Wahl durch den Kreistag können sich aber noch weitere Bewerber melden. (Von Andreas Vogel und Alexander Beckmann)




