Dieter Böttcher, der von 1993 bis 2008 Stadtverordneter in Neuruppin war und seit 2008 dem Kreistag angehört, ist zudem Patientensprecher der Ruppiner Kliniken und seit 2003 auch Seniorenbeauftragter des Kreises (die MAZ berichtete.
Die Stimmen von Linken und SPD, die je zwölf Abgeordnete haben, reichen für die Wahl von Böttcher zum Nachfolger von Sven Alisch aber nicht aus. Und die anderen Fraktionen reagierten gestern verhalten auf den Vorschlag der SPD. FDP-Fraktionschef Bert Groche wollte sich zu der Personalie Dieter Böttcher gar nicht äußern und verwies lediglich darauf, dass die Liberalen keinen eigenen Kandidaten aufstellen werden. Die FDP ist mit vier Abgeordneten die kleinste Fraktion im Kreistag.
Erstaunt zeigte sich indes CDU-Fraktionschef Dieter Helm. „Der traut sich allerhand zu.“ Ob Dieter Böttcher auf Stimmen der Christdemokraten hoffen darf, das ließ Helm aber offen. „Wir müssen mal schauen, was wir machen.“ Die CDU-Fraktion hat im Kreistag zehn Mandate.
Sven Deter, Chef der bunten Fraktion aus Freien Wählern, Bauern und Grünen, wollte sich gestern weder zum SPD-Vorschlag äußern noch dazu, ob er sich selbst um den Kreistagsvorsitz bemüht. Deter, der am Dienstag Vater von Zwillingen geworden ist, will seine Entscheidung erst heute bei einer erneuten Sitzung des Ältestenrates bekanntgeben. „Ich möchte eine gewisse Form einhalten“, sagte der 35-jährige Wulkower, der auch Chef des Kreisbauernverbandes ist.
Die Linke, die seit der Landratswahl mit der SPD kooperiert, warb indes gestern um Zustimmung für Dieter Böttcher. „Die SPD tauscht nur eine Person aus. Wir brauchen dann keine Änderungen bei der Besetzung der Ausschüsse und der Stellvertreter des Kreistagsvorsitzenden vorzunehmen“, sagte Friedemann Göhler. Der Linke hofft, dass der Ältestenrat heute schon der Personalie Böttcher zustimmt. Die eigentliche Wahl beim Kreistag am 9. September wäre dann vermutlich nur noch Formsache.
Die Neuwahl ist notwendig, da der bisherige Kreistagschef Sven Alisch (SPD) wegen Subventionsbetruges verurteilt wurde und auf den öffentlichen Druck hin sein Amt niederlegte. Gegen das Urteil hat der Rheinsberger Alisch Berufung eingelegt. (Von Andreas Vogel)




